Wir vermessen die Welt.

Die Höhere Geodäsie an der TU Wien feierte im Juni 2026 ihr 160-jähriges Jubiläum.

Gruppenfoto: Personen stehend, Außenaufnahme

© Claudia Virginia Dimoiu

1 von 3 Bildern oder Videos

Bildschirm, Hintergrund weiß, Schrift dunkelblau "Homecoming Event 160 Jahre Höhere Geodäsie an der TU Wien"

© Claudia Virginia Dimoiu

1 von 3 Bildern oder Videos

Raum mit menschen sitzen (Rücken zur Kamera), Sprecher bei Podium mit Mikro

© Claudia Virginia Dimoiu

1 von 3 Bildern oder Videos

Es ist das Jahr 1866. Joseph Herr wird von Kaiser Franz Joseph zum ersten Professor für Höhere Geodäsie und Sphärische Astronomie berufen, später im selben Jahr wird Herr zum ersten Rektor ernannt. „Diese Tatsache ist im wahrsten Sinne des Wortes in Stein gemeißelt.“, erzählt Johannes Böhm, derzeitiger Leiter des Departments für Geodäsie und Geoinformation, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, lächelnd und bezieht sich dabei auf eine Marmorgedenktafel im 1. Stock des Hauptgebäudes an der TU Wien. „Und eine unterhaltsame Anekdote am Rande: liest man die Inschrift auf der Tafel genau, fällt ein Schreibfehler auf: Das Wort Sphärische wurde vergessen, somit wird Joseph Herr zum Professor für Höhere Geodäsie und Astronomie.“

Die Vermessung der Welt

Damals wie heute beschäftigt sich der Forschungsbereich Höhere Geodäsie mit der Vermessung der Welt. Während Joseph Herr in seiner Forschung auf die Figur der Erde, konkret auf die Fragestellung, wie abgeplattet die Erde ist, fokussierte und mit seinen Kollegen zur Bestimmung der Position auf der Erde auf Sternbeobachtungen angewiesen war, sind die zentralen Fragestellungen der Höheren Geodäsie heute die Form, das Schwerefeld und die Rotation der Erde. Und weil recht schwer nachzuvollziehen ist, was das genau bedeutet, hat Johannes Böhm eine anschaulichere Beschreibung parat. „Die Forschungsschwerpunkte der Höheren Geodäsie lassen sich anhand der drei Fragen ‚Wo bin ich?‘, Wohin fließt das Wasser?‘ und ‚Wie spät ist es?‘ sehr gut erklären. Die globalen Satellitennavigationssysteme (GPS, Galileo,  ..) erlauben eine zentimetergenaue Positionierung von uns bzw. von Punkten auf der Erdoberfläche, womit wir wieder bei der Figur der Erde und ihren Veränderungen sind. Da Wasser immer bergab fließt, kann ermittelt werden, welcher von zwei Punkten höher ist. Im Allgemeinen richtet sich Wasser nach dem Erdschwerefeld, was den globalen Wasserhaushalt, wie das Abschmelzen von Eismassen, zum Thema macht. Schließlich ist die offizielle Uhrzeit an die Erdrotation gekoppelt. Diese ist nicht nur für die Uhrzeit von Bedeutung, sondern für jede Art der Positionierung auf der Erde und im Weltraum.“  

Sphärische Astronomie mit Sternbeobachtungen wird heute nicht mehr zur Ermittlung der Position auf der Erde verwendet. „Heute verwenden wir unter anderem extragalaktische Radioquellen Milliarden von Lichtjahren entfernt, um die Erde zu vermessen und die Erdrotation zu bestimmen.“, erklärt Johannes Böhm.

Und die Zukunft? Hier werden Atomuhren eine entscheidende Rolle spielen, die bekanntlich genauesten Uhren der Welt. „Nimmt man zwei dieser hochgenauen Atomuhren an unterschiedlichen Orten und vergleicht die Frequenz der beiden über ein Glasfaserkabel, dann kann man den Höhenunterschied bestimmen.“, erläutert Johannes Böhm.

Die Höhere Geodäsie ist einer von acht Forschungsbereichen am Department für Geodäsie und Geoinformation. Jeder Forschungsbereich hat seine eigenen Forschungsschwerpunkte, die sich sehr gut zu einem Gesamtbild ergänzen. „Die Fähigkeiten, räumliche Daten zu erstellen, zu modellieren und zu verknüpfen, sowie der Gesellschaft zu vermitteln und wissenschaftlich zu verwerten, stehen im Zentrum der Arbeiten am Department für Geodäsie und Geoinformation.“ fasst es Johannes Böhm zusammen. 

Ein Fest für die Höhere Geodäsie

Mittlerweile sind 160 Jahre vergangen. Im Juni 2026 feierten rund 70 ehemalige Absolvent_innen sowie ehemalige und derzeitige Mitarbeiter_innen ein Homecoming Event, bei dem es neben Rück- und Ausblicke in die Entwicklung der Geodäsie auch um Austausch und Vernetzung ging.


Zur Person

Johannes Böhm hat an der TU Wien Geodäsie studiert und ist seit 2012 Leiter der Höheren Geodäsie. Im Jahr 2020 übernahm er auch die Rolle des Vorstands des Departments für Geodäsie und Geoinformation.
 

ABO

Sie erhalten alle aktuellen Informationen direkt per Mail zugesandt.