„DeafTech 2026, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“ gilt als erste internationale Konferenz, die Deaf Technology aus einer explizit gehörlosen Perspektive behandelt und zugleich einen eigenen „Deaf Space“ schafft, also einen Raum, in dem sich taube Personen über Technologien, gesellschaftliche Entwicklungen und zukünftige Anforderungen austauschen können. Die Konferenzsprache ist International Sign.
„Technologien für gehörlose Menschen werden häufig aus einer unterstützenden oder medizinischen Perspektive gedacht. Die Konferenz stellt dagegen die Frage, welche Technologien gehörlose Menschen sich selbst vorstellen, brauchen, entwickeln und nutzen“, erklärt Robin Angelini, Teil des Organisationskomitees und PhD-Student an der TU Wien.
Technologie im Alltag gehörloser Menschen
Der Begriff „Deaf Tech“ ist noch nicht abschließend definiert. Zusammenfassend bedeutet er jedoch Technologien, die von Gehörlosen genutzt werden und einen Zugang zu Informationen und Kommunikation schaffen. Deaf Tech eröffnet eine neue Perspektive auf die gesellschaftliche Teilhabe gehörloser Menschen, beispielsweise durch Videoanrufe/chat, Untertitelungssysteme sowie moderne KI-basierte Anwendungen.
Viele dieser Technologien sind längst Teil des Alltags. Gehörlose Communities zählen oft traditionell zu jenen Gruppen, die neue Kommunikationsformen besonders früh aufgreifen: vom Schreibtelefon über SMS bis hin zu Videotelefonie und aktuellen KI-Anwendungen.
Gleichzeitig werfen neue Technologien auch gesellschaftliche und politische Fragen auf. So wird derzeit international intensiv über den Einsatz von KI-generierten Gebärdensprach-Avataren diskutiert, die etwa im öffentlichen Verkehr oder bei automatisierten Informationssystemen zum Einsatz kommen. Die Konferenz bietet Raum, Chancen und Grenzen solcher Entwicklungen aus Sicht gehörloser Menschen zu diskutieren.
Austausch zwischen Forschung, Community und Industrie
Die Deaf Tech-Konferenz verbindet wissenschaftliche Forschung mit Erfahrungen aus der Community und Praxis. Beiträge reichen von technischen und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen bis hin zu Design, Kunst und Aktivismus.
Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. „Gehörlose Menschen erleben oft, dass über ihre Bedürfnisse entschieden wird, ohne sie einzubeziehen. Die Konferenz schafft einen Raum für Selbstbestimmung und direkten Austausch“, so Angelini.
Die Resonanz auf die Veranstaltung war bereits im Vorfeld sehr groß. „Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Konferenz europaweit in wissenschaftlichen Netzwerken und Communities verbreitet“, freut sich Robin Angelini über das große Interesse.
Warum Wien?
Die Wahl des Veranstaltungsortes ergab sich aus bestehenden internationalen Kooperationen sowie dem ACCESSTECH Forschungsprojekt (https://www.experiencing-access.eu, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster) der TU Wien, das die Zugangserfahrungen mit interaktiven Technologien von behinderten Menschen erforscht. Organisiert wird die Konferenz gemeinsam mit internationalen Partnern aus den Niederlanden. Perspektivisch soll die Veranstaltung auch an anderen Orten stattfinden und so verschiedensten Menschen die Möglichkeit geben, sich über Deaf Tech auszutauschen.
Rückfragehinweis
Robin Angelini
Technische Universität Wien
Forschungsbereich Human Computer Interaction
robin.angelini@tuwien.ac.at
Text:
Sarah Link, M.A.
redaktion@tuwien.ac.at
