Nicht nur fürs Auge

Die grüne Fassade in der Favoritenstraße 9–11 blüht und gedeiht.

begrünte Fassade mit Menschen in Fenstern und am Balkon

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Die grüne Fassade in der Favoritenstraße 9-11 wächst und gedeiht.

Gruppe von Menschen stehend im Grünen

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Matthias Reicher, Jakob Friedl, Jakob Wächter, Martin Prömpers, Martin Ilcik, Philipp Stauß, Sascha Haas und Abdulah Sulejmanovski (hinten von links), Markus Bader, Michael Wimmer, Azra Korjenic, Iva Kovacic und Nooshin Shariattalab (vorne von links)

Nachaufnahme grüne Pföanzen

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Gesundes naschen: auch essbare Pflanzen wie Erdbeeren wachsen auf der grünen Fassade.

Alle Erwartungen an die grüne Fassade wurden übertroffen. Da ist sich das interdisziplinäre Forschungsteam des Forschungsprojekts „Green Facade Digital Twin“ einig. Ende 2025 wurde die Fassade des TU Wien Informatik-Gebäudes in der Favoritenstraße 9–11 in den ersten beiden Stockwerken begrünt. „Es waren kleine zarte Pflänzchen, die eingesetzt wurden. Das war Ende November letzten Jahres.“, erinnert sich Projektleiterin Azra Korjenic. „Dann kam ein langer und ungewöhnlich harter Winter mit Schnee, Frost und tiefen Temperaturen. Die Befürchtung vieler war, dass das die zarten Jungpflanzen nicht überleben. Noch im März war es kalt und die Pflanzen immer noch winzig. Die Firma und ich waren überzeugt, dass die Pflanzen im Frühling üppig wachsen werden, aber die meisten haben nicht erwartet, dass die Pflanzen dann in nur drei Monaten so sehr wachsen.“ Geht man jetzt an dem Gebäude vorbei, bietet sich Betrachter_innen ein üppiges Grün, das sich aus robusten Standardpflanzen wie Erdbeeren, Geranien und anderen Frühlingsblühern zusammensetzt.

Erfolgsfaktor Team

Der üppigen grünen Fassade ging eine intensive und aufwendige Vorbereitungszeit voraus, die Umsetzung war ein gemeinsamer Team-Effort. Da die Fassade in einer Schutzzone steht, musste diese genau untersucht werden und es musste sichergestellt werden, dass diese nach der Bepflanzung noch deutlich zu erkennen ist. Das Einholen vieler Genehmigungen war notwendig. Auch eine Befragung von 180 TU Wien Angehörigen sowie 45 Passant_innen wurde vorab durchgeführt. Im Jahr 2024 gab es schließlich die Zusage für das Projekt, 6 Monate nach der Projektgenehmigung, im Juli 2025, wurde mit dem Bau begonnen und wieder sechs Monate später waren alle Pflanzen eingesetzt und montiert. „Das alles war nur möglich, weil sich die meisten aus dem Team bereits von vorherigen Projekten gut kannten und jeder wusste, wer welche Stärken und Expertise mitbringt“, erläutert Azra Korjenic. Die Umsetzung der Begrünung verantworteten Sascha Haas und sein Team von der Firma Techmetall. Erst nach genauer Laservermessung der Fassade wurde mit der Produktion begonnen. 

In Zusammenarbeit mit Techmetall, sind neben dem Forschungsbereich für Ökologische Bautechnologien, auch der Forschungsbereich für Integrale Planung und Industriebau der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster sowie die Forschungsbereiche Computer Graphics und Automation Systems der Fakultät für Informatik, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster am Projekt beteiligt. Große Unterstützung kam von der Dekanin der Fakultät für Informatik, Gerti Kappel, die mit dem Ergebnis mehr als zufrieden ist: „Jedes Mal, wenn ich am Gebäude in der Favoritenstraße vorbeigehe und auf diese wunderschöne Fassade schaue, freue ich mich. Die Grünpflanzen erfreuen nicht nur unser Auge, sondern sind auch ein Zeichen der Wertschätzung für die Mitarbeiter_innen in diesem Bürohaus und ein erster Schritt in Richtung nachhaltige Gebäudenutzung“. 

Wer kümmert sich um die Pflanzen?

Die rund 7.700 Pflanzen werden automatisch bewässert, bei aktuellen Hitzeverhältnissen drei Mal täglich um 10, 18 und 2 Uhr. Eine Zeitschaltuhr sowie ein Computer sorgen dafür, dass die Pflanzen je nach Jahreszeit bzw. Temperatur die richtige Wassermenge bekommen. Im Projekt wird der Hinterlüftungsspalt bauphysikalisch untersucht. Dabei werden drei unterschiedliche Abstände zur Fassade sowie drei Varianten hinsichtlich Belüftung untersucht: Eine geschlossene, eine halboffene und eine ganz offene Variante. Diese werden verglichen und hinsichtlich ihres hygrothermischen Verhaltens bewertet. Ziel ist es festzustellen, welche Ausführung den besten Wärmeschutz bietet, Feuchte zuverlässig reguliert, Austrocknung ermöglicht und langfristig die konstruktive Sicherheit gewährleistet.

Außerdem wird ein Digitaler Zwilling erstellt – ein digitales 3D-Modell des Gebäudes samt der begrünten Fassade, die schnelles Monitoring und den Abgleich mit Real Live Daten möglich macht. Das Pflanzenwachstum wird auch simuliert und mit dem Digitalen Zwilling gekoppelt. So können die Forschenden den gesamten Lebenszyklus der Grünfassade beobachten, analysieren, und optimieren. In Echtzeit erhalten die Forschenden digital Rückmeldung über das Wohlergehen der Pflanzen. „Die 'Grüne Fassade in der Favoritenstraße' zeigt beispielhaft, wie Forschung und Entwicklung zusammenwirken können. Für die TU Wien bietet das Projekt die Möglichkeit, innovative Begrünungs- und Gebäudetechnologien unter realen Bedingungen zu erforschen und damit wichtige Grundlagen für nachhaltiges Bauen und lebenswerte Städte der Zukunft zu schaffen", so Wolfgang Kastner, Vizerektor für Digitalisierung und Infrastruktur.

Datenauswertung als Grundlage für nachhaltiges Bauen

Das Projekt sieht drei Messzyklen vor. Der erste läuft Ende Juli 2026 aus. „Dann werden wir erste konkrete Ergebnisse haben. Schon jetzt lässt sich jedoch sagen, dass in Pflanzennähe eine deutlich geringere Temperatur messbar ist“, so Markus Bader, der im Projekt für das Dashboard, sprich die Datenverarbeitung und -sicherung, zuständig ist. Am gegenüberliegenden Gebäude ist eine Kamera angebracht, die alle 10 Minuten ein Bild von der Fassade macht. Diese große Menge an Daten liefert unter anderem Aufschluss über den Einfallswinkel der Sonne. „Aus den Bildern lassen sich auch Zeitraffer-Videos erstellen, so lassen sich Veränderungen wie beispielsweise das schnelle Pflanzenwachstum besonders gut sichtbar darstellen“, ergänzt er.  

Beschattung und Begrünung von Gebäuden in hochversiegelten Stadtgebieten wird spätestens an heißen Sommertagen interessant. Bereits jetzt haben viele andere Fakultäten und Institute der Universität Interesse bekundet. „Grüne Fassaden werden in Zukunft immer öfter unser Stadtbild verschönern und für bessere Luft und kühlere Umgebungstemperatur sorgen. Was es braucht, sind Durchhaltevermögen, ein gut eingespieltes Team und der Wunsch etwas zu verändern und zu bewegen, dann klappt es mit grünen Fassaden an öffentlichen Gebäuden wie auch im privaten Wohnsektor“, ist Projektleiterin Azra Korjenic überzeugt.
 

Details zum Projekt, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

Rückfragehinweis:

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Azra Korjenic
Forschungsbereich Ökologische Bautechnologien,  
Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen
Technische Universität Wien
azra.korjenic@tuwien.ac.at
+43 1 58801 207300

Aussenderin:

Sonja Haberl
PR und Marketing
Technische Universität Wien
+43 664 60588 2888
sonja.haberl@tuwien.ac.at
 

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Green Facade Digital Twin Zeitraffer-Video

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