Fünf Jahrzehnte Wissen: Wie eine Idee zu rund 4.500 Laufmetern gesammeltem Wissen wurde

Das Archiv der TU Wien feiert sein 50-jähriges Jubiläum

Gruppenfoto

© Österreichisches Staatsarchiv | Alexander Zechmeister

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Das Team des Archivs der TU Wien, bestehend aus Thomas Györik, Alexandra Wieser, Paulus Ebner und Juliane Mikoletzky (sowie Dorothea Peter und Martina Lederhilger-Widl, nicht am Bild), nahm 2024 gemeinsam mit Vizerektor Wolfgang Kastner die Urkunde für die Aufnahme der Privilegiensammlung der TU Wien in das nationale österreichische Dokumentenerbe-Register „Memory of Austria" der UNESCO entgegen.

Blick ins Archiv: langer Gang mit Regalen und Aktenordnern

© TU Archiv |Thomas Györik

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Das Depot bietet Platz für viele Akten und Unterlagen.

Gang mit Akten, im Vordergrund Tisch zum Ablegen der Akten

© TU Archiv |Thomas Györik

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Blick ins Depot des Archivs

Lithographie Steindruck

© TU Wien Archiv

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Eines der ältesten Privilegien: Priv. Reg. Nr. 0143: Aloys Senefelder - Lithographie: Presse, welche vorzüglich zum Abdrucken der Steinplatten dient" eingereicht am 15. November 1801.

Lithographie Steindruckerei

© TU Archiv

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Eines der ältesten Privilegien: Priv. Reg. Nr. 0143: Aloys Senefelder - Lithographie: Beschreibung und Erklärung der chemischen Steindruckerey" eingereicht am 25. November 1802.

Ob Informationen zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TU Wien, zu Studierenden, zu Patenten, Plänen oder Bildern, all diese Schriftstücke befinden sich im Archiv der TU Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster. Aber wie sah es mit den Anfängen des Archivs aus? Paulus Ebner, seit 2016 Leiter des Archivs, gibt im Gespräch Einblicke in die Entwicklung von einer Idee bis zu einer Sammlung an Beständen, die heute nicht mehr wegzudenken ist.

Wie nahm das Archiv seinen Anfang?

Paulus Ebner: Die Idee für ein Archiv ist erstmals 1966, nach der 150-Jahr-Feier aufgetaucht, wurde aber nicht umgesetzt. Mit dem Universitätsorganisationsgesetz 1975 wurde erstmals festgelegt, dass jede Universität ein Archiv führen soll. Im Juni 1976 wurde Dr. Alfred Lechner, damals wissenschaftlicher Beamter an der Fakultät für Architektur und Raumplanung, mit Vorarbeiten zur Einrichtung des Archivs betraut, das er ab 1979 auch leitete. Jedoch erst im Jahr 1988 hat das Archiv eigene Räumlichkeiten bekommen, die es uns schließlich auch erlaubt haben, die Bestände fachgerecht aufzubewahren und andererseits genug Platz für die aktive Verwendung durch Forscher_innen boten.  

Welche und wie viele Sammlungen beherbergt das Archiv der TU Wien?

Paulus Ebner: Hier im Archiv gibt es rund 4.500 Laufmeter an Akten, die sich über einen Zeitraum von rund 200 Jahren erstrecken. Diese umfassen Akten der Zentralen Verwaltung, Personalakten, Lehrauftragsakten, Studien- und Prüfungsakten, Akten der Dekanate und von Instituten und Sondereinrichtungen sowie Akten anderer Einrichtungen. Außerdem gibt es Nachlässe und diverse Sammlungen wie die Sammlung von Patenten (vormals Privilegien genannt), eine Foto- und Bildersammlung, eine Plansammlung sowie Medaillen und Gedenkmünzen, um nur einige zu nennen.

Seit Februar 2025 können wir das Bücherdepot der Wiener Universitäten Floridsdorf mitnutzen, wo wir vor allem Akten aufbewahren, die derzeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, also beispielsweise Personalakten, die wegen Datenschutz und Archivgesetz unter Verschluss gehalten werden müssen.

Welche Aufgaben übernimmt das Archiv?

Paulus Ebner: Die Aufgaben im Archiv sind vielfältig. Wir sind eine Serviceeinrichtung für Studierende und Mitarbeiter_innen sowie für die Öffentlichkeit. Jederzeit können Personen von innerhalb und außerhalb der TU Wien um Unterlagen für Forschungszwecke oder auch aus persönlichem Interesse anfragen. Wir suchen die benötigten Informationen heraus und stellen sie dann digital oder vor Ort im Archiv zur Verfügung. Übrigens, sehr oft beschäftigt Menschen, ob oder konkreter was beispielsweise ihr Großvater oder Urgroßvater an der TU Wien studiert hat. Wenn wir den Namen der Person und die Eingrenzung des Geburtsjahres auf ein oder zwei Jahre haben, lässt sich das schnell herausfinden. 

Außerdem bin ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen hinter den Kulissen des Archivs sozusagen mit Themen wie der Restaurierung von Schriftstücken, der Digitalisierung von Dokumenten und dem Records Management, also der Aktenverwaltung, beschäftigt.

Darüber hinaus ist das Archiv derzeit bei drei Projekten beteiligt. Zwei davon sind Teil der fuTUre fit Initiative, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, das sind die Projekte „Unsere TU Wien“, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster von Kollegin Knauer, sozusagen ein TU-internes Citizen Science-Projektes, wo historisches und aktuelles Bildmaterial zu Erinnerungsorten der TU Wien zwischen Prater, Arsenal, Karlsplatz und Getreidemarkt gesammelt und zur Verfügung gestellt werden soll. Im Projekt „TU Wien Hauptgebäude – fit for future“, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster beschäftigt sich Harald Stühlinger mit dem TU Wien-Hauptgebäude am Karlsplatz, beginnend mit dem Vorplatz. Dieser soll neu gestaltet werden und durch eine zeitgemäße Denkmalkultur und gestalterisch notwendige Eingriffe ein Ort werden, der Gegenwart und Vergangenheit miteinander verbindet.

Das dritte Projekt ist Teil der Leistungsvereinbarung und bezieht sich auf Ehrenpersonen, die vor 1989 ausgezeichnet worden sind. Es sollen mehr als 400 Kurzbiographien, auch von als problematisch eingestuften Personen, online präsentiert werden. Aktuell ist das Archiv zur Stellungnahme zu Ehrungsanträgen verpflichtet.  

Wie kommt das Archiv zu seinen Beständen?

Paulus Ebner: Den Großteil des Bestandes bilden Schriftstücke, die an der Universität entstehen und hier aufbewahrt werden müssen. Gemäß der Abgaberichtlinie, öffnet in einem neuen Fenster geben vor allem Rektorat und Dekanate Unterlagen an das Archiv ab. Unseren größten Bestand bilden die Akten der jeweiligen Universitätsverwaltung, die vom Jahr 1815 bis 2015 nur in Papierform verfügbar sind. 

Inzwischen wird an vielen Stellen nur mehr digital gearbeitet, so zum Beispiel bei unseren Personalakten: Alle Mitarbeiter_innen, die nach 2015 an der TU Wien begonnen haben, haben nur mehr einen digitalen Personalakt.

Unsere Privilegiensammlung – früher wurden Patente als Privilegien bezeichnet – ist eine Sammlung von rund 6.000 Schriftstücken und vielen, teils sehr schönen Zeichnungen von 1800 bis 1850.

Im Archiv gibt es auch Nachlässe. Diese werden uns regelmäßig angeboten, wir können aber nur jene Nachlässe annehmen, die direkt mit der TU Wien in Verbindung stehen, also Nachlässe von Profesor_innen, Mitarbeitenden und Studierenden. Andere Nachlässe müssen wir wegen unserer Sammlungsstrategie ablehnen. Diese gehen dann beispielsweise an andere Archive oder Museen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass im Grunde laufend Akten der zentralen Verwaltung sowie Nachlässe zu den Beständen des Archivs dazukommen.
 

Wie wird man Archivar_in?

Paulus Ebner: Das ist eine sehr gute Frage, denn in den letzten Jahren hat sich hier einiges in der Ausbildung getan. Ich bin Historiker, war aber schon vor meiner Zeit in Archiven in unterschiedlichen Positionen tätig. Die universitäre Archivausbildung war lange Zeit auf Mittelalter und Frühe Neuzeit ausgerichtet. Das hat sich mit dem Masterstudium Archivwissenschaften geändert.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Sonja Haberl

ABO

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