In der EU herrscht ein starker Fachkräftemangel, es fehlen mehr als 500.000 fachlich ausgebildete Arbeitskräfte. Dem gegenüber steht die wachsende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in der industriellen Instandhaltung vor allem in der Automobilindustrie sowie die stetig steigenden Anforderungen an Sicherheit und Qualität bei recycelten Metallen. Im Jahr 2025 hat das Erasmus+-Projekt WELDNET gestartet, dessen Ziel es ist innerhalb der nächsten vier Jahre ein Netzwerk von fünf Centres of Vocational Excellence (COVEs) aufzubauen.
Im Gespräch gibt Fazel Ansari, WELDNET-Projektleiter und Leiter des Forschungsbereichs Produktions- und Instandhaltungsmanagement an der TU Wien, Einblick in das Projekt und verrät, welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit in den Bereichen Instandhaltung, Schweißen und Metallverarbeitung spielt.
Können Sie das WELDNET Projekt kurz beschreiben?
Fazel Ansari: Mit dem WELDNET-Projekt wollen wir moderne Aus- und Weiterbildungsprogramme ermöglichen und darüber hinaus regionale Kompetenzökosysteme in den Bereichen Industrie, Bildung und Wissenschaft aufbauen. Außer in Österreich sollen in Griechenland, Rumänien, Serbien und Spanien im Rahmen des Projekts in den nächsten vier Jahren gleich fünf Kompetenzzentren entstehen, in jedem Land eines. Der Fokus liegt auf dem Thema Instandhaltung sowie auf den Bereichen Schweißen und Nachhaltigkeit.
Welche Ziele sollen im Projekt erreicht werden?
Fazel Ansari: Das Projekt hat drei definierte Hauptziele: die Entwicklung eines ganzheitlichen Lehr- und Lernprogramms, den Aufbau von Kompetenzökosystemen sowie den Aufbau eines transnationalen Ökosystems. Mit den sogenannten Centres of Vocational Excellence (COVEs) verfolgen wir einen „Living Lab“-Ansatz bzw. eine Lernfabrik mit wissenschaftlich fundierter und praxisnaher Ausbildung zur besseren Qualifikation von Fachkräften und einer höheren Sicherheit und Qualität in der Produktion. In diesem ganzheitlichen Lehr- und Lernprogramm geht es um den Erwerb von Wissen (Skilling), um das Vertiefen von Wissen (Re-Skilling) und um Weiterbildung (Up-Skilling). Auch die Ausbildung der Trainer_innen ist ein wichtiger Punkt. Außerdem soll der Aufbau der COVEs die nachhaltigen und zirkulären Industrieprozesse unterstützen.
Warum sehen wir gerade diese Ziele als wichtig in unserem Projekt? Dass es seit vielen Jahren einen europaweiten Fachkräftemangel gibt, ist leider nichts Neues. Die Job- und Kompetenzprofile haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Es zeigt sich auch deutlich, dass sich technologische Entwicklungen in rasantem Tempo abspielen. Wenn Technik den Menschen unterstützen und assistieren soll, braucht es Training, wie Menschen diese neuen Technologien am effektivsten für ihre Arbeit nützen können, auch das Erwerben von Software-Skills ist dabei ein wichtiger Punkt. Die fünf Center sollen einander in ihrer Arbeit unterstützen, voneinander lernen, sie werden deshalb in engem Austausch miteinander stehen.
Welche Rolle hat die TU Wien in dem vierjährigen EU-ERASMUS+ Projekt?
Fazel Ansari: Die TU Wien spielt eine sehr zentrale Rolle in diesem Projekt. Wir sehen uns als Treiber für innovative Ausbildungssysteme, wir wollen die grüne, digitale Transformation unterstützen und den Fachkräftemangel in der Industrie bekämpfen. Die TU Wien wird der COVEs-Center-Host in Österreich sein und wir wollen damit Forschung, Industrie und Berufsbildung zu einem Ganzen verbinden.
Welche Fakultäten, Institute und anderen TU-nahen Institutionen sind am Projekt beteiligt?
Fazel Ansari: Es ist das Institut für Managementwissenschaften, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster mit den beiden Forschungsbereichen Produktions- und Instandhaltungsmanagement sowie Personal- und Unternehmensführung am Projekt beteiligt. Den ersten Bereich verantworte ich gemeinsam mit Brenda Özyilmaz, Milena Mann und Baris Tekin. Für den zweiten Bereich liegt die Verantwortung bei Kollege Wolfgang Güttel von der TU Wien Academy, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster sowie Astrid Kleinhanns-Rollé und Sandrine Roche. Im Projekt bekommen wir auch Unterstützung von der TU Wien Pilotfabrik, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster Industrie 4.0. Diese wird ihre Expertise in den Bereichen Smart Factory, digitale Produktion, Mensch-Roboter- Kollaboration im Projekt einbringen.
Inwiefern spielt das Thema Nachhaltigkeit im Bereich Schweißen und Metallverarbeitung eine Rolle?
Fazel Ansari: Zum Thema Nachhaltigkeit gibt es im Projekt drei Hauptpunkte: Umwelt & Sicherheit, Ressourcenschonung & Sicherheit und Inklusive Ausbildung & soziale Herausforderungen.
In Punkt eins fallen Themen wie die Verwendung von recycelten Metallen in der Automobilproduktion, die Sicherstellung von Qualität, Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit sowie die Reduktion von Risiken in kritischen Bauteilen wie etwa Bremsen, Lenkung oder Strukturteile. Zum Thema Ressourcenschonung & Sicherheit gehört zum Beispiel die Vorbeugung von Ausfällen und Schäden an Infrastruktur und Anlagen mit positiven Effekten wie mehr Sicherheit für die Menschen bei der Arbeit, Energieeinsparung oder Ressourcenschonung. Der dritte Punkt fokussiert auf die Integration von Menschen mit Behinderungen und benachteiligten Gruppen mit dem Ziel Chancengleichheit für alle zu schaffen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person
Fazel Ansari hat Maschinenbau und Mechatronik an der Universität Siegen studiert. Er promovierte summa cum laude im Fachbereich Informatik an der Universität Siegen mit einem Schwerpunkt auf wissensbasierten Systemen und Wissensmanagement und er habilitierte sich im Fachgebiet „Industrial Engineering“ an der TU Wien. Derzeit ist Fazel Ansari als Universitätsprofessor für datengetriebenes Instandhaltungsmanagement an der TU Wien tätig. Er leitet den Forschungsbereich Produktions- und Instandhaltungsmanagement an der Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften. Seit 2017 ist er außerdem in verschiedenen Funktionen an der Fraunhofer Austria Research GmbH tätig, zuletzt als Leiter Leuchtturmthemen und Mitglied im Board of Management.
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